Funktioniert so der gemeine Wutbürger?

April 5, 2019 0 Von thomasburmeister

Vor 12 Stunden postete der Admin einer meiner Facebook-Gruppen (es geht hier rund ums Motorradfahren) einen Artikel der „Autozeitung“ vom 01.04.2019. Darin ging es um den Vorstoß einer EU-Kommissarin, eine Führerscheinprüfung verpflichtend alle 5 Jahre einzuführen. Wer den Link anklickte, las so seltsame Dinge wie „einäugig rückwärts fahren“. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte klar sein können/müssen/sollen: Hier handelt es sich um einen Aprilscherz.

Doch wenige Stunden später fanden sich bereits 20 Kommentare unter diesem Post. Und die überwiegende Zahl bezog sich auf die Europäische Union. Plötzlich gab es Verständnis für die Briten, die diesen ganzen Wahnsinn nicht mehr mitmachen.
Einer der Teilnehmer schrieb, “ Sorry, aber die sollten lieber Ihre Politiker und die Regierung pruefen. Hier ist mehr Gefahr fuer das Volk. “ (sic)

Wenn es nicht so traurig wäre, man könnte darüber lauthals lachen. Denn tatsächlich ist diese Entwicklung brandgefährlich! Warum? Weil es sich hier um einen Mechanismus handelt, vor dem wir alle uns nicht wehren können.

Die Online-„Recherche“

Hand auf´s Herz: Haben wir nicht alle schon einmal im Internet recherchiert? Klar haben wir das! Aber war es wirklich eine echte Recherche, oder ging es primär darum, unsere eigene Einstellung bestätigen zu lassen? Da interessieren wir uns für ein bestimmtes Produkt. Bevor wir es in den Warenkorb des Online-Kaufhauses legen, lesen wir noch schnell die Bewertungen. 5 Sterne? Prima! Wie, nur 2 oder 3 Sterne? Was schreibt der/die denn da? Das stimmt doch gar nicht. Und überhaupt: So verwendet man das Produkt doch gar nicht.

Naturgemäß ist auch ein/-e Journalist/-in kein Roboter – und somit natürlich auch subjektiv. Nicht anders war es hier: Die EU-Kritiker sahen sich bestätigt (wieder eine Regelung, die mich einschränkt), und entsprechend waren die Kommentare. Die Frage, die mich umtreibt: Was werden diese Personen am 26.05. tun, dem Tag der Europawahl? Zu Hause bleiben? Protest wählen (AfD z. B., und damit die sich selbst erfüllende Prophezeiung)?

Es wird höchste Zeit für Besonnenheit!

Ja, die EU ist im aktuellen Zustand eher bemitleidens- als beneidenswert. Doch habe ich Europa noch als eine Ansammlung von Staaten kennengelernt. Ich musste beim Grenzübertritt anhalten, mich Kontrollen unterziehen – und vor der Reise möglichst noch Devisen in der Bank beschaffen. Wir haben der EU eine Menge zu verdanken – zu allererst einen jahrzehntelang andauernden Frieden. Doch all das bekommt man genauso wenig geschenkt, wie Demokratie. Und wenn wir uns alle zurücklehnen und „die da oben“ machen lassen, dann brauchen wir uns über das Ergebnis nicht zu beschweren.

Wer ein wenig länger politisch aktiv ist, wird feststellen dass die Bereitschaft sich zu engagieren eher „überschaubar“ ist (oder anders ausgedrückt: kaum vorhanden). Ich jedoch möchte wieder eine starke Europäische Union – und mittelfristig die Vereinigten Staaten von Europa. Dafür muss man etwas tun – darum bin ich politisch interessiert und aktiv.