Sind die Forderungen von „fridays for future“ utopisch und weltfremd?

April 10, 2019 Aus Von thomasburmeister

Immer wieder hat man den demonstrierenden Schülerinnen und Schülern von „fridays for future“ vorgeworfen, ihre Forderungen seien unkonkret. Dem sind die Aktivisten nun entgegen getreten und haben 6 konkrete Forderungen aufgestellt. Kernforderung ist eine drastische Verteuerung der CO2-Emissionen.

Der „Spiegel“ hat sich genau dieser Forderungen angenommen und ermittelt, welche finanziellen Auswirkungen solch eine „Besteuerung“ für uns Bürgerinnen und Bürger hat – und überschreibt seinen Artikel mit „Langstreckenflüge würden bis zu 2000 EUR teurer“.

Unabhängig davon, dass ich den Spiegel bisher für ein recht seriöses Medium hielt und davon ausging, man habe solch reißerische Aufmachen nicht nötig, sollten wir uns einmal konkret die Forderung und deren Konsequenzen anschauen.

„Fridays for future“ verlangt wörtlich:
„Der Preis für den Ausstoß von Treibhausgasen muss schnell so hoch werden wie die Kosten, die dadurch uns und zukünftigen Generationen entstehen.“ Konkret beziffern sie die Kosten mit 180 EUR je Tonne CO2. Ist das wirklich utopisch und die dumme Idee idealistischer Aktivisten?

Natürlich müssen wir uns der Folgen unseres Handelns bewusst werden!

Wenn wir nun diese 180 EUR je Tonne CO2 zugrunde legen, dann kommt der „Spiegel“ auf ganz interessante Zahlen. Ein Liter Milch würde um 17 Cent teurer, ein Weizenbrötchen um 1 Cent. Und – womit wir bei der Headline wären – ein Hin- und Rückflug von Frankfurt nach Auckland (Neuseeland) würde sich um 2.107 EUR verteuern. Warum? Weil die CO2-Emission (pro Passagier!) bei über 11 Tonnen liegen!

Ich höre schon den Aufschrei der Betroffenen, die nun nicht mehr für 19,90 EUR von Frankfurt-Hahn in das Vereinigte Königreich fliegen können. Doch wer bitteschön ist denn so naiv zu glauben, dass in diesen nicht einmal 20 EUR die Kosten zur Kompensation der Umweltschäden enthalten sind?

Es wird Zeit, dass Umweltverschmutzung verursachergerecht in Rechnung gestellt wird!

Nur weil eine Forderung unbequem ist und utopisch wirkt, ist sie noch lange nicht falsch!

Die Umsetzung der Forderungen von „friday for future“ hätte ganz erhebliche volkswirtschaftliche Folgen. Sicher würden sehr viel mehr Menschen den Urlaub in Heimatnähe verbringen. Und vielleicht würden sie auch weniger Fleisch essen (Mehrpreis je kg Rindfleisch 2,58 EUR). Doch ist es nicht genau das, was wir benötigen? Ein Umdenken in der Klimaschutzpolitik?

Es ist bei den derzeitigen Strukturen in der Politik kaum denkbar, dass diese Forderungen 1:1 umgesetzt werden. Doch es ist gut, richtig und wichtig, dass sie aufgestellt werden. Denn sie halten uns vor Augen, wie umweltschädlich unser aller Verhalten jeden Tag ist.

Ich stelle mir nur eine Frage in diesem Zusammenhang: Was nützt uns das ganze Geld, welches wir in Form einer CO2-Abgabe (Steuer) erheben? Wir brauchen vielmehr Maßnahmen, welche diese verhindern. Vermutlich werden wir auch um Verbote nicht herum kommen.