Der Liberalismus ist tot

August 23, 2019 Aus Von thomasburmeister

Der Liberalismus ist tot – dahingemeuchelt von seinen Enkeln und (Adoptiv-)Kindern! Vorausgegangen ist eine schwere und unheilbare Erkrankung.

Es liest und las sich so schön: Liberalismus, das ist Freiheit von und Freiheit für. Freiheit von staatlicher Bevormundung, Freiheit zu tun was man will. Dahrendorf, Baum und viele andere haben uns ein schönes Bild gezeichnet, an dem ich persönlich mich orientiert habe. Er war für mich erstrebenswert, er war mein gesellschaftspolitisches Ziel. Doch der Liberalismus ist tot. Ermordet von genau den Personen, die ihn wieder zum Leben erwecken wollten. Doch der Tod war auch Erlösung. Erlösung von der Erkrankung an den eigenen fehlgeleiteten Ansprüchen.

Mit den Enkeln und (Adoptiv-)Kindern meine ich mitnichten die aktuelle Führungsriege der Feien Demokraten (die sich im übrigen auch gar nicht mehr „liberal“ nennen). Ich meine damit genau die Personen, die sich eine Wiederbelebung auf die Fahnen geschrieben haben. Wie viele Neugründungen von Bewegungen und Parteien hat es in den letzten Jahren nicht gegeben – viele davon mit dem Ziel nun aber wirklich eine echte liberale Partei zu gründen? Am – zumindest kurzfristig – erfolgreichsten waren da noch die Piraten. Doch auch sie scheiterten – ebenso die Neuen Liberalen. Eine Partei, die es auch nach fast 5 Jahren (mein Gott, wie schnell die Zeit vergeht) es noch immer nicht geschafft hat, aus der Bedeutungslosigkeit hervorzutreten – und es auch nicht wird. Im Gegenteil: Die letzten Mandate in Hamburg sind nun auch perdu.

Doch was ist das für eine Erkrankung, die ein Dahinscheiden so ungemein beschleunigt? Es ist der „wir-sind-liberal-also-dürfen-wir-das-doch-sagen“-Habitus. Diese Personen haben die viel versprechenden Neugründungen mit hanebüchenen Ausführungen, Anträgen und Behauptungen unterwandert, die Parteitage gekapert und sich schließlich wie ein Wolf im Schafspelz die Vorstandspositionen gesichert. Wenn man dann versuchte, dagegen zu halten und meinte, die Freiheit des Einzelnen höre dort auf wo die Freiheit des anderen beginnt, wurde man mit den Worten, „das ist jetzt aber nicht liberal“ abgestraft und musste in der Ecke stehen. Pfui, das macht man nicht!

Auch Volt ist so ein Beispiel. Man ist ja so liberal, dass man alle Menschen auf der Welt glücklich machen möchte – insbesondere natürlich die Frauen. Also führt man in der Ansprache der Mitglieder das „generische Femininum“ ein. Was, Ihr wisst nicht, was das ist? Ganz einfach. Begrifflichkeiten, die aus der Übung der täglichen Anwendung heraus bisher und jahrzehntelang im Maskulinum kommuniziert wurden (z. B. „der geneigte Leser“ oder „die Bürger unserer Republik“) werden nun im Femininum ausgedrückt (also „die geneigte Leserin“ oder „die Bürgerinnen unserer Republik). Dabei sind aber auch alle Leser (und Leserinnen) und alle Bürger (und Bürgerinnen) und gemeint. Wer sich da dann zumindest virtuell an den Kopf fasst oder einen Vogel zeigt, ist dann halt nicht liberal.

Bewerberinnen um einen Posten im Bundesvorstand beschäftigen sich dann gleich noch mit der Frage, wie man sich untereinander ansprechen sollte. Natürlich nicht „Volter“ (ist ja Maskulinum). Lieber „Volta“ (weil Femininum). Und damit glaubt man tatsächlich, das Ungleichgewicht zwischen Männern und Frauen in dieser Bewegung zu verändern.

Merke: Everybodies darling is everybodies depp! Wer es allen recht machen will, steht und sitzt irgendwann zwischen allen Stühlen. Klar sprechen wir mit dem „generischen Femininum“ die Emma-Leserinnen an – aber die anderen? Die verschrecken wir – und damit (und vielen anderen Banalitäten) bucht man dann halt das Freifahrtticket in die Bedeutungslosigkeit.

Liberalismus ist mittlerweile Kampf. Kampf, dem Gegenüber (ups, sorry! Das muss ja „der Gegenüber“ heißen) zu beweisen dass man selbst der einzige Liberale (äh, „die einzige Liberale“) ist – und alle anderen doof und ignorant.

Echte Werte kann man nicht in Euro und Cent messen. Und wenn wir den Wert Liberalismus endlich wiederbeleben wollen, dann sollte klar sein: Freiheit steht nicht unbegrenzt zur Verfügung. Nicht in Deutschland, nicht in Europa und nicht auf der Welt. Freiheit beruht auf Gegenseitigkeit, auf Respekt, auf Achtung. Das ist leider bei all diesen politischen Startups zu nicht mehr als einer Worthülse verkommen. Schade!